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Eine kleine Grasfibel

  Zu Fotozwecken wurde ein Stück Silhouette Sommerwiese über einen Block Moosschaum gelegt und der Baum einfach eingesteckt.  
  Foto von einem kleinen Diorama in Baugröße 1:87 (HO). Gras ist von Heki (Waldboden), Buschwerk zum Teil Silhouette, zum Teil Weinlaub-Blattwerk von Heki. Nadelbäume sind von Noch.  
  Herbstliches Diorama in Baugröße 1:87 (HO). Hier dominieren gelbe und rote Farben beim Laub (Silhouette). Die Gräser sind größtenteils schon verdorrt dargestellt, dunkelgrüne Fasern von Heki, aufgelockert mit beigen Winterfasern und langen beigen Fasern von Noch (Boden unter den Birken).  
  Eine kleine N-Anlage (1:160) dient als Testfall für verschiedene Grassorten. Der Grundton ist HEKI Waldboden (kurze Fasern) abgedunkelt mit Moorgras und stellenweise mit Wintergras aufgehellt. Die Grasbüschel sind aus Grasfasern von Polak auf einer Folie separat hergestellt und dann einzeln aufgeklebt.  
  Silhouette Grasbüschel (siehe unten) auf einer Basis verschiedener kurzer Woodland Fasern. Durch die Büschel lässt sich hervorragend das Unkraut am Bahndamm darstellen.  
  Ebenfalls mit Fasern von Silhouette wurde diese Anlagenecke begrünt. Zwischen die Fasern wurden Sand, Erde und Geröll eingestreut. Zum Abschluss wurden Grasbüschel aus eigener Fertigung und Filigranbüsche von Silhouette aufgeklebt.  

Weites Land

Es gibt einige Zubehörhersteller, die Grasfasern und anderes Streumaterial herstellen. Die Auswahl ist reichhaltig, die Verfügbarkeit allerdings oft eher schlecht. Die meisten Händler führen nur die bekannten Marken, was aus wirtschaftlichen Erwägungen auch oft gar nicht anders möglich wäre.

Schwierig wird es jedoch, wenn man an das Ergebnis etwas höhere Ansprüche stellt. Spätestens wenn es daran geht, das erschaffene Fotographisch festzuhalten, trennt sich die Spreu vom Weizen. Insbesondere die Farben im Zusammenspiel mit Kamera und Licht sind entscheidend, wenn das ganze auch auf der Photographie gut aussehen soll. Senffarbene Wiesen sind da in der Regel wohl eher nicht gewünscht.

Generell sind heute eigentlich die sogenannten Grasfasern das Mittel der Wahl, vor allem wenn man hohe, ungemähte Wiesen darstellen möchte. Ein Elektrostatisches Begrasungsgerät ist hier allerdings fast unumgänglich, wenn der Gesamteindruck stimmen soll. Vom Eigenbau mit wenigen Euro bis zu teuren Profigeräten reicht die Bandbreite. Die Ergebnisse sind dabei oft auch mit billigen Geräten ausreichend.

Bei den kleinen Baugrößen (N+Z) scheiden sich die Geister. Man kann durchaus mit feinen Schauflocken (Turf) sehr gute Ergebnisse erzielen. Hier entscheidet letztlich die persönliche Vorliebe, solange man den Anschaffungspreis für die Elektrostaten nicht einbezieht.

Welche Farben sind denn jetzt gut?

Ein einfaches Rezept gibt es nicht, da das Ergebnis zu sehr von der Foto-Technik, Beleuchtung und dem gewählten Thema abhängt. Aber ein paar allgemeine Tipps lassen sich schon formulieren:

1) Lieber etwas dunkler
Dunklere Grasfasern wirken realistischer. Es gibt natürlich Fälle wo man gezielt mit hellen Farben arbeiten kann, zum Beispiel wenn man verdorrte Grasflächen oder frisch gemähte Wiesen darstellen möchte.

2) Gelbe Farben vermeiden
Gelbliche Farbtöne sind problematisch. Es gibt einige Grasmischungen, die einen hohen Gelbanteil haben (z.B. Noch Sommerwiese). Mit bloßem Auge schaut alles ganz gut aus, doch auf dem Foto wird es arg gelbstichig. Für verdorrtes Gras oder Weizenfelder sollten eher beige Tönungen verwendet werden.

3) Sparsam mischen
Will man das Ergebnis vorhersehen und steuern, sollte man allzu kunterbunte Mischungen vermeiden. Farbnuancen entstehen beim Aufbringen der Fasern wo man sie gezielt erzeugen kann. Auf der anderen Seite ist eine einzelne Farbe auch etwas fade und das Mischen von zumindest zwei Farben ist meist nötig um einen bestimmten Farbton zu bekommen. Farbversuche auf Kartonresten sind hier recht hilfreich und schnell

4) Realistischer Untergrund
Fasern und Untergrund bilden eine Einheit und müssen zusammen betrachtet werden, da der Farbton der zu begrasenden Fläche insbesondere bei kürzeren Fasern durchschimmert. Eine realistische Wiese erfordert auch einen realistischen Untergrund, dem mindestens ebensoviel Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte wie der Vegetation selbst.

5) Raus in die Natur!
Letztlich wollen wir hier die Natur nachbilden. Dazu sollte man sich auch mit derselben beschäftigen, am besten bewaffnet mit einer Kamera um spannendes sogleich im Bild festzuhalten. Außerdem soll so ein Tag im Grünen ungemein gesund sein... ;-)

Und was nehme ich jetzt?

Ausgezeichnete Ergebnisse lassen sich in jedem Fall mit den Fasern von Silhouette erzielen. Auch die Fasern der anderen Hersteller können verwendet werden, aber man sollte vorher mal Probestücke machen um zu sehen wie die Farben auf den Photos wirken.

Des weiteren wird man um einen Elektrostaten nicht herum kommen wenn man eine realistische Optik mit Grasfasern erhalten will. Ohne macht der Einsatz von Fasern nur wenig Sinn.

  Grundierung in einem Erdbraunen Farbton  

Vorbereitungen

Bereits beim Modellieren der Geländehaut sollte man sich mal grob Gedanken darüber machen, was denn später an welcher Stelle wachsen soll. Verkrautete Bahndämme, gepflegter Rasen oder Viehweide. Möglichkeiten gibt es genügend. Allerdings gilt hier auch der Grundsatz: Weniger ist mehr!

Erdarbeiten

Die Gestaltung des Untergrundes spielt eine große Rolle in der Gesamtwirkung. Mit Ausnahme der bekannten Englischen Gärten wird man selten eine makellose Grasnarbe antreffen. Irgendwo schimmert stets etwas Erdreich durch. Spannend sind auch Übergänge von Schotterflächen zu Wiesen. Auch wenn man später nur wenig davon sieht, spielt die Gestaltung des Untergrundes eine wichtige Rolle.

Eine Erdbraune Tönung ist hier von Vorteil. An Stellen wo das Gras nur spärlich wachsen soll kann man vorab sehr feinen Sand als Untergrund aufbringen. An Stellen mit dichtem Bewuchs genügt ein Anstrich mit erdbrauner Dispersionsfarbe. "Trampelpfade" und andere Unebenheiten sollten schon vor der Begrünung angelegt sein.

  Beflockungsgerät von XTEQ - Leider NICHT MEHR ERHÄLTICH!  
  Aus dem Behälter werden die Fasern förmlich in den Kleber geschossen.  

Elektrisierend

Senkrecht stehende Fasern lassen sich nur mit einem Elektrostatischen Beflockungsgerät bekommen. Es gibt sicher Fälle, wo der Bewuchs es nicht erfordert. Aber eine hohe Wiese wirkt nur mit langen, senkrecht stehenden Grasfasern richtig gut.

Zu einem vertretbaren Preis ist im Handel der Noch Gras-Master verfügbar, über dessen Leistung durchaus verschiedene Meinungen existieren. HEKI hat ebenfalls ein neues Gerät im Angebot das einen guten Eindruck macht. Vorstellung folgt!

Das frühere recht teure Gerät von HEKI aus den Publikationen von Bernhard Stein ist mittlerweile wohl keine Alternative mehr. Das war zwar sehr professionell, aber das schlägt sich auch im Preis nieder.

Im Internet sind verschiedene Eigenbau-Vorschläge zu finden. Hier kann man selber basteln oder sich an einen der vielen Modellbauer wenden die hier Hilfe anbieten. Eine Quelle ist hier zum Beispiel Georg Holzhammer (www.shop.projektdesign.at).

In Kleinserie gebaut "wurde" ein Gerät namens Gras.o.mat von XTEQ Tools welches ab und an bei EBay zu haben war. Mit 15kV ist es ein sehr leistungsfähiges, einfaches aber praktisches Gerät das den professionellen Geräten durchaus ebenbürtig ist. Leider wird das Gerät nicht mehr hergestellt!

Weißleim oder Kleister?

Im Prinzip kann man alles verwenden das klebt, einen speziellen Leim braucht man nicht. In jedem Fall sollte der Kleber so dickflüssig sein das er auf schrägen Flächen nicht abläuft und gleichzeitig so flüssig das die Fasern gut haften bleiben.

Weißleim eignet sich recht gut. Mit etwas Wasser wird der Leim auf die erforderliche Konsistenz eingestellt, ein Tropfen Spülmittel verhindert eine zu frühe Hautbildung. Die Fasern halten nach dem Trocknen fest im Kleber. Allerdings zieht Holzleim je nach Typ recht schnell an und bleibt nicht allzu lange offen.

Tapetenkleister geht ebenfalls. Am besten eignet sich die Variante für schwere Tapeten. Der Kleister wird dick angerührt und muss aufquellen. Die Endfestigkeit ist nicht ganz so gut wie bei Weisleim, dafür ist der Kleber recht günstig und damit für größere, stationäre Anlagen geeignet.

Der Leim wird praktischerweise in eine kleine Kunststoffflasche gefüllt und auf die zu Begrasenden Flächen aufgebracht. Damit der Kleber nicht vorzeitig austrocknet, sollte man sich auf kleinere Flächen beschränken. In Bereichen mit spärlichem Wuchs wird der Beflockungs-Leim nicht deckend verteilt, so dass der Untergrund durchscheinen kann.

Wachstum

Die Grasfasern der Wahl werden nun beginnend bei der kleinsten Wuchshöhe aufgebracht. Zunächst kommt ein dunklerer Ton zum Einsatz, der den Großteil der Fläche bestimmt. Zwischendrin sollten immer wieder lichtere Stellen bleiben.

In einem zweiten Durchgang kommen hellere Fasern in den Vorratsbehälter des Begrasungsgerätes, mit denen die lichten Stellen und Ränder begrast werden. Mit Papier lassen sich benachbarte Stellen abdecken und verschiedene Bereiche trennen. So erhält man schöne Schattierungen und ein abwechslungsreiches Gesamtbild.

  Auch Grasbüschel lassen sich mit dem Elektrostaten herstellen. Die Büschel werden hier mit einer Pinzette einzeln gesetzt.  
  Dann werden zwischen die Büschel N-Filigranbüsche von Silhouette gepflanzt.  

Büschel und Streifen

Es ist erstaunlich, wo überall noch Gras wächst. Ein kleiner Riss in der Teer-Decke, und schon bald zeigt sich der erste Trieb, der den spärlichen Lebensraum besiedelt hat. Hier ein Büschel in der Ecke, dort einer im Rinnstein.

Es gibt mehrere Methoden, diese Büschel zu imitieren. Im einfacheren Fall entstehen sie gleich mit der restlichen Wiese. Einzelne Kleberpunkte werden an die Stellen gesetzt, wo die Büschel stehen sollen. Die Fasern halten nur dort wo Kleber ist während die trockenen Stellen frei bleiben.

Schwieriger wird es in Winkeln, wo die Begrasungsgeräte naturgemäß gerne Probleme haben da das elektrische Feld da nicht so stark ist. Hier kann man sich behelfen, in dem man gezielt Grasbüschel züchtet. Wie das geht steht hier.

Krautige Wiesen lassen sich auch durch mehrfaches Begrasen herstellen. Ist die erste Schicht Fasern durchgetrocknet, tupft man noch mal Leim in kleinen Punkten auf und geht erneut mit dem Elektrostaten und etwas dunkleren oder helleren Fasern über die Fläche. An den Kleberpunkten bilden sich bei ausreichender Spannung die Grasbüschel.

Getreidefelder

Mit langen, beigen Fasern lassen sich hochgewachsene Weizenfelder darstellen. Für Scharfe Kanten können benachbarte Flächen mit Karton oder Klebeband abgedeckt werden. Sonst legen sich die Fasern an den Rändern um, was nicht immer gewünscht ist.

  Im Handel sind einige verschiedene Grasorten verfügbar  

Hersteller von Grasfasern

Es gibt einige Hersteller und deren Fasern lassen sich problemlos mischen. Für eine ansprechende Optik ist das eigentlich sogar unumgänglich, denn mit einer Farbe alleine ist es nicht getan. Auch verschiedene Längen lassen sich sinnvoll kombinieren. Vor dem Großversuch auf der Anlage lässt sich die Wirkung auf einem kleinen Diorama oder einfach einem Stück Karton vorab testen.

Die Liste ist nicht vollständig sondern gibt nur einen Überblick über die zum jetzigen Zeitpunkt vorliegenden Produkte!

Wichtig ist, das die Fasern gerade sind. Bei den kurzen ist das in der Regel kein Problem. Lange, stark gebogene Fasern lassen sich nur sehr schlecht verarbeiten und das Ergebnis ist nicht so berauschend.

Manchmal erhält man Fasern die sich zu kleinen Kugeln verklumpen, auch das tritt häufiger bei langen Fasern auf. Bei Elektrostaten mit ausreichend Spannung ist das kein Problem, ansonsten hilft nur die Fasern vor dem Beflocken auseinander zu pflücken.

NOCH

Die bekannte Firma hat verschiedene Fasern im Angebot. Die fertigen Mischungen sind durch den hohen Gelb/Rot-Anteil nur bedingt, die einfarbigen sind jedoch gut verwendbar. Noch vertreibt auch die Fasern von Woodland Scenics, leider gibt es diese nur in kurz. Dafür hat es verschiedene braun und beige Farben. Die langen, etwas borstigen Fasern eigenen sich als Weizenfeld im Maßstab HO. Es fehlt noch die eine Länge dazwischen, aber das Sortiment wird immer mal wieder um nette Sachen erweitert.

HEKI

Das Wildgras Waldboden ist ein gutes Standardgras für HO, die anderen Farben werden als Variation verwendet. Bei den kurzen Grasmischungen ist es schwieriger, brauchbare Ergebnisse ergibt Waldboden vermischt mit Moorgras (dunkles Grün). Auch das Wintergras kann zum mischen und insbesondere zum aufhellen verwendet werden.

Silhouette

Neuerdings sind die Fasern der mittlerweile bekannten Silhouette Grasmatten auch als lose Ware erhältlich. Die Frühlingswiese ist aber schon ein recht frisches Grün, Sommer und Frühherbst sind eine gute Basis und Spätherbst eignet sich zum aufhellen für verdorrte Flächen (Frühherbst ist eigentlich nur eine fertige Mischung aus den Farben Sommer und Spätherbst). Weitere Farben runden das Sortiment ab. Auf Photos werden die Farben hervorragend wiedergegeben.

Die Fasern sind in 3 Längen (2mm, 4,5mm, 6,5mm) lieferbar. Besonders die mittlere Länge ist für alle N-Bahner sehr interessant denen die langen Heki Fasern zu lang sind.

Polak

Der hierzulande noch wenig bekannte Hersteller aus der Tschechei hat einige interessante Farben im Angebot. Die einfarbigen Fasern sind gut zu verarbeiten. Die Faserstärke und Länge variiert und der Gesamteindruck ist etwas matter was recht natürlich wirkt. Allerdings ist der Bezug etwas schwierig, ich hatte meine über Pürner bestellt.

Ähnliche Themen:
Grasbüschel: Aufzucht und Pflege
Gras-O-Mat von XTEQ Tools

Hersteller:
- Silhouette (www.miniNatur.de)
- Noch (www.noch.de)
- Heki (www.heki-kittler.de)
- Polak (www.puerner.de, www.polakmodel.com)
- Projektdesign Holzhammer (www.shop.projektdesign.at)

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